
Nach 103 Toren, zwei Verlängerungen und einem nervenaufreibenden 7-Meter-Werfen geht das zweite HLA-Halbfinale denkbar knapp an den ALPLA HC Hard. Damit scheiden die FIVERS in einer Partie aus, die alles bot, was den Handball ausmacht: Dramatik, Intensität – und bemerkenswerte Fairness. – Werbung pur für den Handballsport.
Schon beim Aufwärmen lag Spannung in der Luft. Als Zeichen der Verbundenheit liefen die Gäste aus Hard mit der Rückennummer 37 ihres gesperrten Spielers Ivan Horvat auf – ein klares Statement, während das Berufungsgericht über dessen Sperre berät. Auch die mitgereisten Harder-Fans hatten eine über achtstündige Reise auf sich genommen, um ihr Team in der Hollgasse zu unterstützen – und wurden Zeugen eines Handballabends, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Nach dem Hinspiel, das ebenfalls erst in der Verlängerung entschieden wurde, wollten die FIVERS ein drittes Spiel und somit eine Entscheidungspartie erzwingen. Und sie warfen alles in die Waagschale: Leidenschaft, Teamgeist und unbändigen Siegeswillen. Doch auch diesmal sollte es nicht reichen.
Nach 60 Minuten regulärer Spielzeit stand es 35:35 – Verlängerung. Nach zehn weiteren Minuten: 38:38. In der zweiten Overtime führten die Gäste mit drei Treffern, doch die FIVERS kämpften sich zurück. 44:44 – 7-Meter-Werfen.
Bemerkenswert: Trotz des regelwidrigen Ablaufs im 7-Meter-Werfen – bei dem nach Reglement ein K.o. Modell hätte folgen müssen (zur rechtlichen Einschätzung)– verzichteten die FIVERS bewusst auf einen formellen Protest. Man entschied sich, das Ergebnis zu akzeptieren. Nicht, weil man keine Argumente gehabt hätte – ÖHB Präsident Markus Platzer räumte den Fehler ein. Sondern weil man als Verein Haltung zeigen wollte. Handball soll auf dem Spielfeld entschieden werden – nicht am grünen Tisch. Ein klares Statement in Richtung Fairness und Vorbildwirkung – gerade mit Blick auf die zahlreichen jungen Spieler im Kader. Haltung statt Hintertür – ein Zeichen, das über diese Partie hinaus Bedeutung hat.
Das bessere Ende für Hard – Finaleinzug

© FIVERS / TONI NIGG
Für die FIVERS bleibt es dabei: 20 Mal in Serie standen sie im Semifinale, drei Mal holten sie in der Vereinsgeschichte den Meistertitel – 2011 und 2016 gegen Bregenz, 2018 gegen Hard. Doch in den vergangenen Jahren fehlte das letzte Quäntchen Glück oft um ins Finale einzuziehen: 2022 das bittere Aus im 7-Meter-Werfen gegen Krems, nun ein Déjà-vu – ebenfalls in der eigenen Halle.
Schon im Grunddurchgang trennten sich die FIVERS WAT Margareten und der ALPLA HC Hard zwei mal mit einem Remis und auch das Halbfinalduell war geprägt von sportlicher Ausgeglichenheit. Augenhöhe bis zur letzten Sekunde.

Trotz der Niederlage war es ein Spiel der Zukunft für die Wiener: Mit einem Mittelblock im Altersschnitt von rund 20 Jahren stellten die FIVERS ein bemerkenswert junges Team aufs Feld. Danhel (17!!), Rudnicki (20), Dvorak (21), Weiser (22) – sie alle zeigten, dass sich die konsequente Nachwuchsarbeit der Wiener nicht nur auszahlt, sondern auch Hoffnung gibt. Die junge Truppe blieb über weite Strecken konsequent und brillierte sich gegen die Harder Routiniers, die gewohnt sicher auftraten.
Gänsehautmoment unter Tränen – Respektaktion der Harder
Nach Spielschluss dann ein Moment, der den Geist des Handballs einfängt. Es flossen bittere Tränen gefolgt von innigen Umarmungen- nicht nur weil man erneut das Finale knapp verpasste, sondern vor allem aus Wehmut. Die FIVERS verabschieden sich mit Standing Ovations nicht nur von Vereinslegende Markus Kolar, der seine aktive Karriere beendet. Auch Flügelshooter Jakob Nigg und Torhüter Leon Bergmann verlassen den Wiener Verein – beide zieht es ins Ausland. Während das Wiener Publikum den eigenen Spielern Applaus spendet, verharren die Gäste aus Hard applaudierend auf der Platte, unterbrechen ihre Jubelgesänge und zollen ihren sportlichen Rivalen Respekt. So eben hatte man sich noch am Spielfeld einen aufopferungsvollen Fight geliefert und nun wurde man durch seine Leidenschaft für den Handball vereint. Einer von vielen Momenten, die den Handballsport so besonders machen.
Ein Akt des Respekts. Ein stilles Zeichen sportlicher Größe. Und ein Abschluss, der zeigt: Im Handball gewinnt nicht nur, wer mehr Tore wirft. Sondern auch, wer Größe im Moment des Triumphs zeigt. Einen sportlichen Sieger musste es nach dieser Partie zwar geben, doch in Wahrheit hatten beide Teams mit Spielklasse und Fairness überzeugt. Hard hatte sich den Finaleinzug verdient, doch auch die FIVERS können zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Der ALPLA HC Hard trifft nun – nachdem der FÖRTHOF UHK KREMS die Linzer im zweiten Halbfinalduell besiegte – auf die Kremser in der Vorarlberger Sporthalle am See. Das erste Finalspiel verspricht ein ebenbürtiges Aufeinandertreffen. Kommenden Freitag am 30.05 ist es soweit.
