Struktur, Leistung, Perspektive – Österreichs U21 überzeugt auf ganzer Linie und fährt Top-Platzierung ein

Jil Pastner
© IHF

Noch nie zuvor gelang einem österreichischen Junioren-Männer-Nationalteam der Sprung unter die Top 11 bei einer Weltmeisterschaft. Bis jetzt. Der Jahrgang 2004 hat Historisches geleistet, sichert sich Platz 11– und das nicht durch Zufall, sondern dank einer bemerkenswerten Entwicklung, Spielkultur und Leidenschaft. Die U21 Weltmeisterschaft in Polen wurde zur Visitenkarte einer neuen Generation die ein Zeichen für den nationalen Handball setzt und beweist, dass im österreichischen Handball viel Potenzial schlummert.

Ein Turnier mit starker Linie

Bereits die Vorrunde verlief beeindruckend. Österreich blieb ungeschlagen und setzte mit dem Sieg gegen Ungarn ein erstes sportliches Ausrufezeichen. Der knappe Erfolg gegen die traditionell stark besetzte Nachwuchsauswahl der Handballnation war weniger überraschend als verdient – das Spiel war ausgeglichen, aber Österreich fand Lösungen in Drucksituationen.

Auch in der Hauptrunde blieb man konkurrenzfähig. Gegen Norwegen – regelmäßig unter den Top 10 bei Großturnieren – gelang ein Remis. Gegen Slowenien setzte es die einzige Niederlage in dieser Turnierphase – ebenfalls knapp mit 27:28. Und selbst gegen Frankreich, als der Einzug ins Viertelfinale bereits außer Reichweite war, verlor man mit lediglich drei Treffern Differenz.

Dass die Mannschaft auch nach dem verpassten Viertelfinale konzentriert blieb, unterstreicht den Charakter dieses Jahrgangs – und ist ein positives Signal für die Perspektive der Spieler auf dem Weg in den Erwachsenenbereich sowie für den gesamten österreichischen Handball.

Krönender Abschluss gegen Kroatien

Im Spiel um Rang 11 wartete mit Kroatien eine weitere Handball-Großmacht, die regelmäßig bei internationalen Turnieren um Medaillen kämpft. Doch Österreich präsentierte sich erneut diszipliniert, mutig und entschlossen– und krönte sich mit einem überzeugenden 30:26-Erfolg nicht nur zum Sieger des Platzierungsspiels, sondern schrieb auch Geschichte: Noch nie zuvor belegte ein österreichisches Team bei einer Junioren WM eine bessere Platzierung.
Der Jahrgang rund um Clemens Möstl, Mats Rudnicki und Gabriel Kofler bewies eindrucksvoll, dass er nicht nur mit der Weltspitze mithalten kann – sondern sie auch schlagen kann. Gegen große Namen des internationalen Handballs setzte sich das Team durch, glänzte mit individueller Klasse und kollektivem Willen – und verschaffte dem rot-weiß-roten Handball-Nachwuchs ein völlig neues Standing auf der internationalen Bühne.

© IHF Gabriel Kofler glänzt im Turnier durch hohe Spielintelligenz und Dynamik.

Besonders hervorstach in diesem Spiel Torhüter Leon Bergmann, der mit beeindruckenden 20 Paraden zum unübersehbaren Matchwinner avancierte. Ob aus dem Rückraum, vom Kreis oder bei schnellen Gegenstößen – Bergmann war zur Stelle, strahlte Sicherheit aus und brachte die kroatischen Werfer zur Verzweiflung. Seine Leistung war nicht nur in diesem Spiel überragend: Mit der besten Paradenquote des gesamten Turniers unterstrich er seinen Status als einer der herausragendsten Keeper der Nachwuchswelt.

Doch der historische Erfolg war mehr als nur ein individueller Glanzmoment – er war das Ergebnis einer geschlossenen, reifen Teamleistung: Die Abwehr arbeitete konsequent und kompakt, im Angriff überzeugten die Österreicher mit klaren Strukturen, guter Entscheidungsfindung und hohem Tempo. Unnötige Fehler wurden weitgehend vermieden, was die Grundlage für diesen Sieg gegen eine etablierte Handballnation bildete.

© IHF Clemens Möstl und Mats Rudnicki agieren geschlossen in der österreichischen Defensive.

Österreichs Nachwuchs sendet ein deutliches Signal

Auch wenn nicht jede Phase dieses Turniers fehlerfrei verlief – kleinere technische Ungenauigkeiten, überhastete Abschlüsse oder einzelne emotionale Reaktionen ließen das Spiel phasenweise unnötig eng werden –, bleibt der Gesamteindruck eindeutig: Diese Mannschaft hat nicht nur mitgehalten, sondern überzeugt. Mit ihrer Spielanlage, ihrer mentalen Haltung und dem sichtbaren Zusammenhalt hat sie gezeigt, dass sie mehr ist als eine talentierte Altersgruppe: Sie steht für einen neuen Anspruch.

Für den österreichischen Handball ist dieses Turnier deshalb mehr als nur ein Achtungserfolg. Es liefert konkrete Erkenntnisse, die weit über das Abschneiden hinausreichen. Die Entwicklung der Spieler, ihre physische Präsenz, ihre taktische Reife und ihr Selbstverständnis im Umgang mit Drucksituationen zeigen: Es ist möglich, auf internationalem Niveau konkurrenzfähig zu sein – wenn man Ausbildungsqualität mit Vertrauen, Spielpraxis und klaren Entwicklungswegen verbindet.

Jetzt gilt es, diese Dynamik zu nutzen. Der Weg, der in der Nachwuchsarbeit in den letzten Jahren beschritten wurde, darf nicht nur bestätigt, sondern muss gezielt weiterentwickelt werden. Es braucht vermutlich keine radikalen Umbrüche, sondern ein klares Bekenntnis zur kontinuierlichen Weiterarbeit und zur Förderung jener Generation, die hier mehr als ein sportliches Ausrufezeichen gesetzt hat. Dieses Turnier war kein Endpunkt – sondern ein Anfang.